DR. MED.
HENRICH STIFTUNG
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Newsletter ProVegan: Ausgabe 28/2022

Guter Artikel: «Von wegen evidenzbasiert: Sachverständige kritisieren Corona-Maßnahmen»

«Ungenaue Modellrechnungen, gefühlte Wahrheiten und Versuche mit Goldhamstern: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus waren wissenschaftlich schlecht begründet. Ein „Weiter so!“ darf es nicht geben»

 

«Die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen in Grundschulklassen sind ob der monatelangen Schulschließungen dramatisch gesunken, psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen häufiger geworden.»

 

«Wenig überraschend, waren doch etwa Kinder- und Jugendpsychiatrien in der Pandemie an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.»

 

«Eine Vertiefung der sozialen Spaltung meldete am Mittwoch vergangener Woche auch der Armutsbericht 2022: Mit 17 Prozent erreichte die Armutsquote einen neuen Höchststand. Denn die Pandemiemaßnahmen trafen nicht alle Schichten gleich, sondern Geringverdiener, Alleinerziehende und kinderreiche Familien besonders schwer.»

 

«Die drastischen sozialen Folgen der Coronamaßnahmen sind also gut dokumentiert. Was diese tiefen, dauerhaften Einschnitte medizinisch gebracht haben, sollte eine Sachverständigenkommission evaluieren. Ihre Erkenntnisse liegen seit Freitag vergangener Woche vor – und sind niederschmetternd.»

 

«Man glaubt es kaum, also noch mal: Die WHO stellte schon vor Corona klar, dass die wissenschaftliche Evidenz nicht gerade zu Lockdowns drängt. Doch auf Basis einer einzigen Modellrechnung, die nicht einmal ein Review-Verfahren durchlaufen hatte, griff man rund um den Globus zu eben dieser Maximalmaßnahme.»

 

«Dass Menschen wegen solcher von anderen Menschen – nicht vom Virus! – verhängten Besuchsverbote allein sterben mussten, ist ein gesellschaftlicher Skandal. Ihn gilt es aufzuarbeiten: Denn während Kamerateams für melodramatische Reportagen in die Intensivstationen gelassen wurden, durften Familienangehörige nicht einmal im Augenblick des Todes Abschied nehmen.»

 

«Die Einschätzung der Sachverständigen zur Maskenfrage liest sich wie ein Formelkompromiss, um keine Seite zu verprellen und um nicht allen Maßnahmen die Evidenz absprechen zu müssen. Unter anderem hätten tierexperimentelle Studien den Nutzen eines Mund-Nasen-Schutzes bestätigt, heißt es an drei Stellen der Evaluierung. In der Fußnote wird, leider kein Witz, auf eine entsprechende Untersuchung mit Syrischen Goldhamstern verwiesen. Die Abschnitte zur Maske sind ein Entgegenkommen an die spezifisch deutsche Maskenobsession, die unsere Nachbarländer nicht kennen. Während die Evaluation dem Maskentragen im Freien eine Absage erteilt – man erinnere sich, dass vor wenigen Monaten in Deutschland noch Demonstrationen verboten und teils gewaltsam aufgelöst worden sind, weil nicht alle eine Maske trugen –, sprechen sich die Sachverständigen für eine mögliche Maskenpflicht in Innenräumen aus. Freilich ohne bei der Vorstellung des Berichts in einem Saal des Wissenschaftszentrums Berlin selbst eine Maske zu tragen.»

 

«Diese Ignoranz gegenüber der Wissenschaft, diese Verharmlosung der Folgeschäden der Maßnahmen und die Geringschätzung eines vom Deutschen Bundestag eingesetzten Sachverständigengremiums ist befremdend und undemokratisch. Das Gutachten der Evaluationskommission hätte ein erster Schritt zur Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung sein können, doch diese Chance ist wohl schon wieder vertan. Das deuten zumindest die politischen und medialen Reaktionen auf den Bericht an. Das Verhalten von Menschen, die um jeden Preis recht behalten und ihren Irrtum nicht eingestehen wollen, hat diese Möglichkeit vereitelt.»

 

«Zunächst aber ist die Bundesregierung am Zuge. Laut Infektionsschutzgesetz muss sie dem Parlament bis zum 30. September eine Stellungnahme zu dem Sachverständigenbericht vorlegen. Das bietet dem Bundeskanzler Gelegenheit, seine Aussage aus dem letzten Jahr zurückzunehmen, wonach er in der Pandemiebekämpfung keine „roten Linien“ kenne. Denn der Evaluationsbericht hat einige dieser roten Linien definiert. Jede Einschränkung von Grundrechten, die sich nicht auf Evidenzen stützen kann, ist nicht länger verhältnismäßig – und damit verfassungswidrig. Und Gremiumsmitglied Jutta Allmendinger mahnte bei der Vorstellung des Berichts am Freitag an, es sei jetzt auch an der Zeit, um Entschuldigung zu bitten

 

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/maske-lockdown-schulschliessung-sachverstaendige-kritisieren-corona-massnahmen