DR. MED. HENRICH
PROVEGAN STIFTUNG
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Die Methoden der Fleischindustrie und ihrer Helfer

Am 23.07.2010 erschien unter der Rubrik „Medizinethik“ auf WELT ONLINE der Artikel „Studie empfiehlt für Babys Fleisch – und schürt Angst“.

 

Vermeintliche Experten der Universität Bonn und des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) warnten in einer Studie, dass Kindern ein gefährlicher Eisenmangel drohe, wenn nicht nach dem vierten Monat Fleisch zugefüttert werde.

 

Dies widerspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, Kinder ein halbes Jahr lang ausschliesslich zu stillen.

 

Und nicht nur das. Obwohl in der Studie die Kinder mit der Zufütterung von Fleisch viel weniger Eisen im Blut hatten als die Vergleichsgruppe der Flaschenkinder, empfehlen die vermeintlichen Experten, dass Eltern darauf achten sollten, möglichst zu fleischreichen Gläschen zu greifen!

 

WELT ONLINE befragte daraufhin andere Experten für Kinderernährung. Diese sprechen insgesamt ein vernichtendes Urteil über die Studie und die vermeintlichen Experten dieser Studie aus: Gisela Janßen, Oberärztin an der Uni-Klinik Düsseldorf: „Ich kann in den in der Studie veröffentlichten Hämoglobin-Werten keinen Hinweis auf eine durch Eisenmangel bedingte Blutarmut finden.“ Janßen betont sogar, dass das Eisen aus der Muttermilch besonders gut resorbiert werden könne: „Dieses Eisen wird zu 50 Prozent resorbiert, Eisen aus anderer Nahrung nur zu etwa fünf Prozent. Bei Kindern, die in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt wurden, stellt also ein Eisenmangel im ersten Lebensjahr kein relevantes Problem dar.“

 

Roswitha Dickerhoff, Hämatologin an der Kinderklinik Düsseldorf hält ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten sogar für unerlässlich, weil nur dadurch die Kinder vor schweren Durchfallerkrankungen im ersten Lebensjahr geschützt seien: „Auch die Natur hat das ausschließliche Stillen bis zum sechsten Lebensmonat vorgesehen“

 

Erika Nehlsen, Leiterin des Ausbildungszentrums für Laktation und Stillen, kritisiert die Studie und betont, dass das Zufüttern nachweislich die Eisenaufnahme aus der Muttermilch hemme.

 

Genau dies wird auch in der Studie bestätigt, da die Kinder mit Fleischzufütterung niedrigere Eisenwerte im Blut aufwiesen. Trotzdem empfehlen Mathilde Kersting (FKE) und Michael Lentze (Universitätskinderklinik Bonn und FKE) die Zufütterung von Fleisch! Diese vermeintlichen Experten empfehlen also genau das Gegenteil von dem zu tun, was sie vorgeben, verhindern zu wollen, nämlich einen Eisenmangel. Man muss sich dies auf der Zunge zergehen lassen: Sie empfehlen die Zufütterung von Fleisch, obwohl die Daten aus der eigenen Studie belegen, dass die Kinder mit Fleischzufütterung niedrigere Eisenwerte aufweisen.

 

Wie ist dies zu erklären? Mangelnde Fachkenntnis, mangelndes Denkvermögen, skrupellose Interessenvertretung oder was? Man könnte einfach mit einem verständnislosen Kopfschütteln darüber hinweg schauen, wenn nicht gerade Kinderärzte, Ernährungsratgeber, Politiker usw. diesen absurden Aussagen kritiklos folgen würden, weil sie an die Seriosität einer Universitätskinderklinik und eines Instituts für Kinderernährung glauben. Wer macht sich schon die Mühe, sich eine Studie zu beschaffen, zu lesen und kritisch zu hinterfragen?

 

Hier die aufschlussreichen Hintergründe der Studie:

 

Geldgeber der Studie ist die „Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft“ (CMA), bekannt durch den skandalösen Werbespruch „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“. Die CMA wurde übrigens mittlerweile vom deutschen Verfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft.

 

Die „fleischreichen Gläschen“ wurden von den Herstellern Hipp und Nestlé geliefert.

 

Ein aktuelles Beispiel, wie es in der Tierindustrie läuft. So ist es auch nicht verwunderlich, dass grosse Teile der Bevölkerung Fleisch, Milch und Eier für gesund halten, obwohl sie gesundheitsschädlich sind.

 

Referenz: