DR. MED. HENRICH
PROVEGAN STIFTUNG
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Newsletter ProVegan: Ausgabe 20/2022

«Veganismus, Konsumkritik, und kapitalistische Lebensmittelproduktion: Wie revolutionär ist vegan?»

«Klar ist, dass das, was die meisten von uns über Milch zu wissen glauben, Käse ist.»

 

«Für Menschen mit geringeren Einkommen ist der Konsum vieler veganer Ersatzprodukte oft unerschwinglich. Kostet ein Liter H-Milch einer Hausmarke z.B. 72 Cent, zahlt man für einen Liter Haferdrink im Supermarkt günstigstenfalls 99 Cent. Bei Fleisch und veganen Alternativprodukten geht die Spanne noch deutlicher auseinander. Der Vorwurf bürgerlicher Politiker*innen, „die Menschen“ wollten ja das billige Fleisch und die billigen Milchprodukte aus Massentierhaltung, ist für Menschen, die sich schon preiswerte Lebensmittel kaum leisten können, eine schallende Ohrfeige.»

 

«Die zerstörerische Kraft der Profitinteressen wirkt nicht nur bei der Herstellung tierischer Nahrung. Auch für vegane Produkte – viele enthalten z.B. Palmöl – vernichten Großkonzerne Regenwald und die Lebensgrundlagen von Menschen in der neokolonialen Welt.»

 

«Deshalb wehren wir uns gegen die Verlagerung der moralischen Verantwortung auf die Konsument*innen und suchen nach gesellschaftlichen Lösungen. Allein die Tatsache, dass mit dem weltweit produzierten Viehfutter neun Milliarden Menschen ernährt werden könnten, schreit förmlich nach gesamtgesellschaftlicher Planung.»

 

Anmerkung: Der Artikel hat einen sehr guten Ansatz, denn er erkennt: «Klar ist, dass das, was die meisten von uns über Milch zu wissen glauben, Käse ist.» Diese Aussage gefällt mir, auch wegen ihres hintergründigen Witzes. Aber dann leidet der Artikel unter dem Halbwissen der Autoren. Denn vegane Ernährung wird mit dem Konsum von hochverarbeiteten veganen Ersatzprodukten gleichgesetzt. Die sind natürlich teuer. Wenn man sich allerdings mit gesunden vollwertigen pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Gemüse, Früchte, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide ernährt, dann ist diese Ernährung kostengünstiger als eine omnivore Ernährung und vor allem gesünder als hochverarbeitete Ersatzprodukte. Das kann sich jeder problemlos leisten. Palmöl und andere pflanzlichen Öle sollte man eh nicht verwenden, ausser vielleicht sehr geringe Mengen Olivenöl.

 

Im Gegensatz zur Ansicht der Autoren haben die Konsumenten selbstverständlich eine überragende Verantwortung. Denn letztlich bestimmen die Konsumenten in einem kapitalistischen System, was produziert wird. Denn kein Kapitalist wird etwas über längere Zeit produzieren, was er den Konsumenten nicht verkaufen kann. Denn dann wäre er nach einiger Zeit pleite.

 

https://www.sozialismus.info/2022/05/veganismus-konsumkritik-und-kapitalistische-lebensmittelproduktion-wie-revolutionaer-ist-vegan/