DR. MED. HENRICH
PROVEGAN STIFTUNG
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Newsletter ProVegan: Ausgabe 39/2020

„Gerade im Bereich Fleischkonsum und industrielle Nutztierhaltung scheinen wir alles in Kauf zu nehmen, wenn’s dafür schmeckt und wir mit keinen Gewohnheiten brechen müssen“

„Da opfern wir Regenwälder für Rinderweiden und Futtermittel, nehmen die Klimakrise in Kauf, genauso wie hohe Nitratwerte im Grundwasser, einen enormen Wasserverbrauch, Bodenerosion durch die großen Futtermittelmonokulturen. Wir akzeptieren den Verlust von Artenvielfalt durch Bodenerosion und Überdüngung, eine enorme Verschwendung von Kalorien durch die Verlängerung der Nahrungskette (Pflanze-Tier-Mensch). Da ist ein(e) Durchschnittsdeutsche(r) bereit, rund 1000 Tieren ein Leben in der industriellen Nutztierhaltung aufzuzwingen. Da nehmen wir sogar für uns selbst ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, einige Formen von Krebs und auch einige Autoimmunerkrankungen in Kauf. Wir opfern dafür vielleicht auch noch unsere Antibiotika, weil wir 70 bis 80 Prozent davon weltweit nicht für die Behandlung menschlicher Krankheiten einsetzen, sondern dafür, dass wir industriellen Nutztierhaltung betreiben können. Und wir riskieren potentiell schwere Pandemien.“

 

„In der Natur sterben sehr tödliche Mutationen von Viren gemeinsam mit ihrem Wirt rasch aus. In der Massentierhaltung ist dieser Schutz ausgehebelt, da ein sterbendes, infiziertes Tier das tödliche Virus noch an zigtausende andere Tiere und an die Arbeiter im Betrieb weitergeben kann. Die auf den Feldern ausgebrachten Massen an Gülle infizieren zudem Wildtiere mit dem Virus. Feinstaub und Insekten können ebenfalls Viren transportieren, wie Studien gezeigt haben. Das Märchen von „biosecurity“ in Tierfabriken ist eine komplette Illusion.“

 

„Vielleicht ist es ein Wendepunkt, der Tropfen, der das Fass für die Gesellschaft, Medien und letztlich die Politik volllaufen lässt. Vielleicht schaffen wir einen Umschwung in der Ernährung, auch durch die vielen Innovationen zum Ersetzen von Fleisch, Milch und Eiern? Man denke nur an den fulminanten Börsengang von Beyond Meat zum Beispiel, oder an aus Zellen gezüchtetes Fleisch, das immer näher Richtung Marktreife rückt. Vielleicht bin ich da jetzt auch zu optimistisch, und wir müssen noch mehr mit dem Kopf gegen die Wand. Jedenfalls stehen wir absolut an einem Scheideweg!“

 

https://www.tierrechte.de/2020/06/18/interview-corona-wir-stehen-am-scheideweg/